Mai 2007


Geschichten and Übungen31 Mai 2007 06:38 pm

Nervös trommelte Franzi mit den Fingern während das Freizeichen zu hören war. Endlich meldete sich Constanze, und Franzi ließ ihre Freundin erst gar nicht richtig zu Wort kommen.

„Ich darf mit!“ posaunte sie gleich ins Telefon.

„Wohin darfst du mit?“, erwiderte Constanze etwas irritiert.

„Mit auf dem Jungfernflug nach Washington.“

„Warte, ich muss den Hörer zur Seite packen, denn ich habe noch mein Badewasser laufen.“

„Muss sie jetzt Baden wollen, wenn ich ihr etwas Wichtiges zu erzählen habe“, dachte Franzi, aber da war ihre Freundin schon wieder am anderen Ende der Leitung.

„Nun noch mal! Aber bitte in Ruhe. Auf welchen Jungfernflug darfst du mit?“, fragte Constanze immer noch leicht irritiert.

„Der neue Riesenjet macht seinen Erprobungsflug und…“

„Welcher Riesenjet? Und eben hast du noch Jungfernflug gesagt.“

„Nun lass mich doch ausreden“, antwortete Franzi leicht gereizt.  „Also, der neue Riesenjet, der A380 macht seinen Jungfernflug oder besser gesagt seinen Erprobungsflug nach Washington, und ich bin eine von den Auserwählten, die… ich darf mit fliegen“, Franzis Stimme überschlug sich fast und sie machte vor Freude einen Luftsprung.

„Wie bist du da denn rangekommen? Die haben sich bestimmt nicht bei dir gemeldet und gefragt, hey Franzi möchtest du mit uns nach Washington fliegen?“ fragte Constanze ironisch.

„Nein natürlich nicht.“

„Nun sag schon, wie bist du daran gekommen?“, jetzt wurde Constanze doch ziemlich neugierig.

„Kennst du noch Peter?“

„Peter? Wer ist oder war Peter?“

„Mensch Constanze! Kennst du nicht mehr Peter? Mein Ex“, erklärte sie Constanze, und verdrehte dabei ihr Augen.

„Ach sooo, den meinst du! Bei deinen vielen Männerbekanntschaften weiß man ja nie!“„Nun höre aber auf, als wenn ich so viele Männer in meinem Leben gehabt hätte.“ Franzi konnte ihre aufsteigende Wut kaum verbergen.“ Muss sie immer so blöd sein?“, dachte sie.„Also Peter dein Ex und was hat er damit zutun? Fliegt er den Flieger?“„Nein, natürlich nicht, aber er arbeitet bei der Lufthansa.“„Als was denn? Als Botenjunge?“, und Constanze konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.

„Hahaha noch so ein Witz und ich erzähle dir gar nichts mehr! Nein nicht als Botenjunge. Er ist dort bei der Presseabteilung angestellt. Nun ja und er hatte mir damals, als wir noch zusammen waren, erzählt, dass die Lufthansa 10 Leuten, die nichts mit dem Flieger zu tun haben, den Testflug durch ein Losverfahren ermöglichen wollen. Man brauchte sich nur bewerben.“

„Bewerben? Wie denn mit Lebenslauf und Zeugnissen?“, lachte Constanze laut los.

„Du bist doof! Natürlich nicht mit Lebenslauf und Zeugnisse.Man sollte nur den Grund schreiben, warum man mitfliegen möchte. Und dieses habe ich getan“, antwortete Franzi immer noch gereizt.

„Welchen Grund hast du denn geschrieben? Ich möchte mitfliegen, weil es so toll ist?“, lachte Constanze immer noch.

„Nein natürlich nicht, ich weiß aber schon gar nicht mehr, was ich geschrieben habe. Es ist schon ein halbes Jahr her, dass man sich bewerben sollte“, antwortete Franzi und stimmte in das Lachen ihrer Freundin ein. Ihre Wut und Gereiztheit hatte sich wieder gelegt. „Ist ja nun auch egal, denn ich bin jetzt dabei. Ich fliege mit 490 Gästen, die sich aus Mitarbeitern von Airbus und Lufthansa zusammensetzen, sowie den 25 Besatzungsmitgliedern und einigen Journalisten mit“, erwiderte Franzi.

„Und dein Exfreund Peter? Fliegt der auch mit?“, fragte sie mit einem ironischen Unterton.

„Um Gotteswillen!“ rief Franzi, „ich hoffe nicht!“ Plötzlich fing ihr Herz kräftig zu schlagen an.

„Und wann geht es los?“ Constanze hatte Mühe sich ihren Neid nicht anmerken zu lassen. „Da würde ich auch gerne mitfliegen.“

„So was kannst du dir doch leisten, bei deiner Erbschaft, oder? Wir starten am Donnerstag den 29.03.07 um 10.00 Uhr von Frankfurt aus.“

„Das ist ja schon in drei Tagen!“, brüllte sie ins Telefon

„Ja ich weiß, habe deshalb noch viel zu erledigen. Ich wollte es dir nur schnell erzählen.“

„Na dann wünsche ich dir viel Spaß?“ bemerkte Constanze etwas säuerlich, „bis demnächst und komme heil runter.“

„Danke, ich hoffe doch, bis bald, ich melde mich, wenn ich wieder zu Hause bin“, erwiderte Franzi und legte den Hörer auf.  

Erlebnisse02 Mai 2007 10:09 pm

Gestern  war bei uns mal wieder Badetag!

Ich möchte damit nicht sagen wir waren zum Schwimmen gefahren, obwohl das Wetter dafür gut geeignet gewesen wäre.Nein, meine Tochter Celine hatte den ganzen Nachmittag im Sand gespielt. Und wie sehen wir dann aus? Natürlich voller Sand und leicht verdreckt wie ein kleines Ferkel- vor allem wenn man sich dann noch Wasser dazuholt-, und kräftig damit rummatscht.

Nach einiger Überredungskunst und Geschrei hatte mein Mann sie dann endlich so weit, dass sie bereit war zu Baden und sich auch die Haare waschen zu lassen. Das Ausziehen war schnell erledigt. Nun stand sie vor uns, wie Gott sie erschaffen hatte, und neben ihr häufte sich der Sand aus ihrer Kleidung.

Aber nun kam ihre Bedingung!

Ihr Bruder Eike, er ist immerhin auch schon 15 Jahre alt, musste mit in die Wanne steigen, sonst würde sie  auch nicht baden.  Nur Eike hatte schon gebadet.

“Eike auch dreckig” war ihre kurze und knappe Antwort, nachdem wir ihr erklärten, dass er schon in der Wanne gesessen hatte. Es half alles nichts, Eike musste sich opfern, bevor sie  sich es doch wieder anders überlegt und so verdreckt in ihr Schlafanzug steigt.

Kaum waren die Beiden in der Wanne ging es auch schon los. Celine setzte sich auf den Rand und fing an ihrem Bruder die Haare zu waschen. Ich wunderte mich nur, dass er dabei noch Luft bekam, soviel Wasser wurde ihm über den Kopf gegossen. Naja, ein großer Teil landete auch neben der Wanne. ” Lass noch Wasser in der Wanne”, meinte ich zu ihr, “Mama möchte auch noch baden.” Danach durfte er ihr die Haare waschen, was ohne großes Geschrei über die Bühne ging.Und wie die Beiden so planschten, rief Celine  auf einmal im Befehlston:” Mama komme mal her!” Ich lief eilig hin, da ich annahm, jetzt ist wer weiß was passiert. Nein, da sagt sie doch tatsächlich zu mir:” Du darfst hier nicht mit rein, du bist zu dick.” Mein Mann, Eike und ich konnten uns vor Lachen kaum halten. “Mama ist doch nicht zu dick”, erwiderte mein Mann. “Doch!” Dachte sie vielleicht auf einmal, ich wollte  zu ihnen in die Badewanne steigen? Dafür wäre ich dann wirklich doch zu Dick, da hatte sie Recht. Aber sonst kann ich eigentlich ganz stolz auf meine Figur sein.

Nachdem wir Celine dann fragten, ob sie wohl meinte, dass es zu eng werden könnte, wenn ich mit dazu kommen würde, meinte sie immer noch zu Dick.

Diese Antwort brachte mich ins Grübeln, aber nicht lange. Nachdem auch ich gebadet hatte und dabei war mich abzutrocknen, meinte sie plötzlich zu mir: ” Mama doch nicht dick, Mama lieb. Da war das Grübeln ruck zuck vorbei. Sie kann eben doch - manchmal -ganz lieb sein.