Oktober 2007


Geschichten12 Okt 2007 06:12 pm

Ungeduldig schaute ich auf die Bahnhofsuhr, der Regen prasselte auf das Dach, und ein eisiger Wind pfiff mir ins Gesicht. Schon 8:30 Uhr, seit einer Stunde warte ich jetzt hier, dass der Regionalzug Richtung Bremen endlich einfährt. Was ist denn bloß los? Dann werde ich wohl mal am Schalter in der Bahnhofhalle nachfragen müssen!

 „Guten Morgen! Was ist denn bitte schön mit dem Zug nach Bremen um 8:30 Uhr? Kommt er noch?“, fragte ich genervt den Beamten am Schalter.

„Die Lokführer streiken!“

 „Streiken! Haben die nichts anderes zutun, als in der Hauptverkehrszeit zu streiken?“, schoss mir aus dem Mund, und bedankte mich für die knappe Antwort. Dann muss ich wohl oder übel auf der Arbeit anrufen und mich für heute abmelden. Wieder ein unnützer Urlaubstag geopfert. Gott sei Dank hatte ich gestern noch mein Handy aufgeladen, so brauche ich nicht zur Telefonzelle latschen - die doch besetzt ist - und bei diesem Mistwetter warten, dass sie frei wird.

0421 30053 Hallo Karla, Melitta hier. …hast schon mitbekommen, dass ich heute noch nicht zur Arbeit erschienen bin? …ich sitze hier immer noch auf dem Bahnhof fest. …nein heute wohl nicht mehr. Die Lokführer streiken. …ja morgen bin ich wieder da, zur Not mit dem Fahrrad…als Arbeitstag zählen? Danke das ist nett, ich werde es dir nicht vergessen. Tschüss bis morgen.

Jetzt aber schnell zum Auto und nach Hause. Auf dem Bahnhofsvorplatz schlug mir wieder dieser eisige Wind entgegen, und der Regen goss in Sturzbächen vom Himmel. Schnell zog ich meinen Mantelkragen hoch und spannte meinen Schirm auf.Tatsächlich, die Telefonzelle ist besetzt. Hat wohl jemand Schutz vor dem Regen gesucht!

Nein, ist das nicht Helga? Jetzt musste ich erst mal näher rangehen, vielleicht soll ich sie ein Stück im Auto mitnehmen? Ja, es war tatsächlich Helga, soweit ich es durch die beschlagene Scheibe erkennen konnte, meine zukünftige Schwiegertochter. Gerade als ich an die Tür klopfen wollte, hörte ich es.

 „… ja, jeden Tag über 30 Grad …strahlend blau von morgens bis abends.“ 

 Von welchem Wetter redet sie denn? Bestimmt nicht von diesem Unwetter hier! Ich denke sie ist seit einer Woche verreist. Mit ihren Eltern nach Lanzarote? Wen will Helga da einen Bären aufbinden? Das höre ich mir mal genauer an, und ich stellte mich mit meinem Regenschirm schräg hinter die Telefonzelle. Hoffentlich hat sie mich noch nicht entdeckt?

 „… jede Menge Palmen, Dattelpalmen nehme ich an… Braun? … etwas angebräunt. Aber die Sache mit Ala und dem Hai, das war unglaublich… Schatzi, das habe ich dir doch geschrieben … Wie nicht angekommen? …muss aber noch kommen.“

Schatzi? Bei mir fingen die Alarmglocken zubimmeln an. So nennt Helga doch immer Sven! Meine Ohren wurden immer spitzer. Das darf doch nicht wahr sein!

„… traumhafte Bootsfahrt bei Vollmond … ja mit meinen Eltern… Ich muss Schluss machen, es steht jemand vor der Kabine … Ich dich auch… Küsschen, Küsschen. Tschüss!“

Oh Gott, sie hat aufgelegt, schnell abhauen, aber wohin. Den Regenschirm tiefer ins Gesicht ziehen und einfach hier hinter warten und hoffen, dass sie mich nicht entdeckt.

So, das wäre geschafft, Helga war schnell Richtung Bushaltestelle gelaufen, und in den nächsten Bus gestiegen. Puh, sie hatte mich nicht entdeckt. Jetzt aber auch schnellstens nach Hause, erstmal einen klaren Kopf bekommen. Den ganzen Rückweg musste ich über diese Wortfetzen nachdenken. Hatte sie tatsächlich mit Sven gesprochen, oder eventuell nur jemand anderen veräppelt? Aber sie wollte doch mit ihren Eltern in den Urlaub fliegen? Oder sind sie wieder zurück?

„Mutter? Bist du es? Was machst du denn schon hier?“ kam ihr Sven entgegen. „Bahn streikt, erzähle ich dir später“, entgegnete ich, meine Gedanken waren immer noch bei dem Telefongespräch.

„Helga hatte angerufen, das Wetter ist toll, sie vermisst mich, und…

“Ja ich weiß, jeden Tag über 30 Grad und jede Menge Palmen”, erwiderte ich. “Wann ruft sie denn wieder an?“

„Übermorgen.“

„Dann bestelle ihr schöne Grüße, und hier ist das Wetter saumäßig, wie vorgestern auf dem Bahnhofsvorplatz auch“, und ließ Sven mit verdutztem Gesicht stehen, denn ich hatte das Gefühl, jemand würde mir den Boden unter den Füßen wegziehen.   

Diese Schlange, diese Scheinheilige. Aber Helga würde ja irgendwann aus ihrem angeblichen Urlaub zurückkommen! 

Übungen12 Okt 2007 05:59 pm

1)   Der Wagen raste gegen einen Baum.

Als der Porschefahrer die Linkskurve passierte, sah er auf seiner Fahrbahnseite ein Motorrad auf sich zu rasen. Beim Versuch auszuweichen, knallte er mit Wucht gegen eine Kastanie.

Die Frau zog ihre Jacke an.   

Nachdem der Kinofilm zu Ende war, verließen die Zuschauer den Saal. Eine junge Frau verließ als Letztes den Saal, dabei zog sie, noch in Gedanken beim Film, ihre Strickjacke über und trat den Weg zur Haltstelle an.

Die Katze putzte ihre Pfoten.   

Der kleine Stubentiger rannte blitzschnell durch den Regen ins Haus. Drinnen angekommen, putze er sich gründlich das Fell und legte sich schnurrend an den warmen Ofen. 

 4)         Der Mann zündete eine Zigarette an.

An einem milden Herbstabend saß der alte Mann in seinem Schaukelstuhl auf der Veranda und beobachtete den Sonnenuntergang. Dabei rauchte er seine Pfeife, trank sein Bier und genoss die Ruhe um ihn herum. Der Wagen raste gegen einen Baum.

In der Abenddämmerung raste ein Porsche die regennasse Landstraße entlang. Beim Durchfahren einer Linkskurve sah er auf seiner Fahrbahnseite ein Motorrad auf sich zu kommen. Geblendet vom Licht des Motorrades versuchte der Autofahrer auszuweichen. Bei diesem Ausweichmanöver geriet der Wagen ins Schleudern; der Fahrer verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug und fuhr mit voller Geschwindigkeit gegen eine am Straßenrand stehende Kastanie. 

 Der Mann zündete eine Zigarette an.

Die Sonne war schon zur Hälfte am Horizont verschwunden; in der Ferne plätscherte ein Bach.Der alte Mann saß an einem milden Herbstabend – wie jeden Abend - auf der Veranda seines Hauses. Er hatte es sich in seinem Schaukelstuhl bequem gemacht und schaute Richtung Westen um den restlichen Sonnenuntergang zu beobachten. Genüsslich rauchte er seine mit Vanilletabak gestopfte Pfeife, trank sein Bier und genoss die Ruhe um ihn herum.