Wie jeden Tag ging Adele zum Briefkasten um nachzuschauen was heute wieder in der Post angekommen war. Waren es wieder nur Rechnungen, Werbung oder vielleicht mal ein netter Brief? Irgendwie bekam sie beim Öffnen des Kastens, ein nicht sehr gutes Gefühl, womit sie Recht behalten sollte.
Sie nahm die darin befindlichen Briefe heraus und entdeckte als erstes einen Brief vom Gericht. Sofort ging sie in ihr Haus zurück, legte die anderen Briefe beiseite und öffnete mit zittrigen Händen den besagten Brief.
Beim Lesen überkam ihr eine Übelkeit und sie hatte plötzlich Beine wie Gummi, denn dort stand in großer Schrift: 
-        Unterlassungsklage gegen Frau Adele Boni –
-        Kläger Herr Emil Hundert und Frau Erna –
Sie überflog den Rest nur flüchtig, denn sie war nicht in der Lage es richtig zu lesen, nahm den Telefonhörer in die Hand um ihre Anwältin anzurufen.
Schnell war ein Termin vereinbart, gleich nachmittags, um eine Stellungsnahme abzugeben, damit es so schnell wie möglich zum Gericht geschickt werden könne.
Es war wieder Mal alles von ihrem Exmann und seiner 2.Frau erlogen und ausgedacht.
„Was wollen die denn schon wieder, können sie mich nicht in Ruhe lassen“? dachte sie nur.
Kurze Zeit später, nachdem sie ihre Gegendarstellung abgegeben hatte, kam schon die Nachricht, dass eine Gerichtsverhandlung statt findet.
-        Termin 21.03.2006  09.00 Uhr im Amtsgericht Bremerhaven mit Zeugenvorladung, Zimmer 231.
-        Zeugen Herr Peter Hundert, Frau Klara Zwölf, Frau Anna Ernst                              
Bis zu diesem Termin fand Adele einfach keine Ruhe mehr.
Als der Tag der Verhandlung endlich gekommen war, fuhr Adele mit ihrem zweiten Mann, ihrem Sohn Peter aus der ersten Ehe, mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend zum Gericht.
Gleich beim Betreten des Gerichtsgebäudes wurden sie von Justizbeamten empfangen, auf Waffen abgetastet, die Taschen wurden kontrolliert und dann wurde ihnen auf Nachfrage erklärt, wo sich der Saal 231 befindet.
Sie gingen den langen Flur, mit seinen hohen Wänden entlang, bis sie den Saal fanden, dort setzen sie sich vor die Tür und warteten. Es dauerte auch nicht lang, da erschien die zweite Zeugin Klara, eine ehemalige Bekannte von Adele und ihrem Exmann, kurz danach die dritte Zeugin Anna. Von dieser dritten Zeugin wurde Adele sofort angesprochen, dass sie gar nicht weiß, was sie denn aussagen solle, Erna hätte gesagt, dass Adele die Verhandlung wolle. Adele konnte darauf nichts erwidern, denn in diesem Moment erschien schon ihre Anwältin und es kam sogleich der Aufruf, die Verhandlung beginnt, alle, auch die Zeugen, mögen sich bitte in den Saal begeben.
Im Gerichtssaal saßen der Richter mit seinem Gerichtsschreiber und der Anwalt der Gegenpartei.
Sie und ihre Anwältin wurden aufgefordert, an einem langen Tisch mit sechs Stühlen, rechts drei für die Kläger, links drei für die Beklagten, direkt vor dem Richtertisch Platz zunehmen, während die Zeugen und Zuschauer, direkt hinter ihnen Platz nehmen sollten.
„Wo aber bitte waren die Kläger?“ dachte sich Adele.
Nachdem alle Platz genommen haben, eröffnet der Richter die Sitzung, stellt die Anwesenheit der Geladenen fest, wobei immer noch die Kläger, das Ehepaar Hundert, fehlte. Auf die Frage vom Richter, in Richtung des Anwaltes der Gegenpartei, wo denn seine Mandanten seien, erklärt dieser, sie würden jeden Moment erscheinen, denn sie standen im Stau, haben erst vor 5 Minuten das Gebäude betreten und müssen erst durch die Kontrolle der Justizbeamten. Kaum war es ausgesprochen, da öffnete sich die Tür und Herr und Frau Hundert betraten endlich den Gerichtssaal, entschuldigten sich für ihre Verspätung und nahmen Platz neben ihrem Anwalt.
Beim Eintreten der beiden bemerkte Adele, wie ihr Exmann nur kurz zum gemeinsamen Sohn schaute, ihn aber nicht grüßte.
Auf einmal war im Gerichtssaal eine eisige Stimmung, ja es war richtig der Hass beider Parteien in der Luft zu spüren. Die Blicke kamen Dolchstiche nahe, die sie sich zu warfen.
„Nachdem nun auch endlich das Ehepaar Hundert anwesend ist, kann die Verhandlung beginnen“, meinte der Richter, bat die Zeugen draußen Platz zunehmen und ihren Aufruf abzuwarten. Kaum hatten die Zeugen die Tür hinter sich geschlossen, ging es im Gerichtssaal zur Sache.
Der Richter befragte zuerst die Kläger, was sie zum Sachverhalt zu sagen hätten. Frau Erna Hundert fing sofort mit ihren Vorwürfen an. Adele hätte in aller Öffentlichkeit gesagt, Erna wäre eine dicke, fette und faule Sau, eine Lügnerin, sie würde jederzeit Emil wieder bekommen, sie hätten ein Verhältnis miteinander, sie würde immer um ihr Haus herum fahren und sie ausspionieren, des Weiteren belästigt Adele ihre Tochter Julia, aus erster Ehe, auf dem Schulhof der Schule, wo Adele als Betreuungskraft beschäftigt ist.
Dieses alles könnten die Zeugen, vor allem die Zeugen Klara und Anna bestätigen.
Bei Anna wäre Adele auch im Geschäft gewesen und hätte diese Aussagen getätigt.
Während Erna diese Aussage machte, kochte Adele innerlich vor Wut, es war alles an den Haaren herbei gezogen, es stimmte nicht, diese Frau leidet unter Verfolgungswahn, hätte sie am Liebsten dazwischengerufen.
Herr Emil Hundert sagte nichts dazu.
Endlich wendete der Richter sich Adele zu, wollte ihre Meinung dazu hören, aber viel konnte sie dazu nicht beitragen, denn er unterbrach sie ziemlich barsch und  meinte, es geht auch einfacher. Als Adele erwiderte, mein Exmann ist weggezogen, ohne seinen Söhnen, er hat noch zwei weitere aus dieser ersten Ehe, seine neue Adresse mitzuteilen, meldete sich endlich auch mal Herr Hundert zu Wort. Er erwiderte: “Ich wollte erstmal die Verhandlung abwarten und ihr dann meine Handynummer mitteilen, für den Fall, sie muss mich erreichen um mit mir über die Jungens zu sprechen.
Der Richter war von dieser Idee nicht begeistert, meinte nur, sie sollen über ihre Anwälte Kontakt aufnehmen, sonst sitzen die beiden Parteien bald wieder hier vor ihm mit den selben Sorgen wie heute. Die beiden Seiten sollen sich aus den Weg gehen, was ja nun zwangsläufig ist, da das Ehepaar Hundert nun nicht mehr in Bremerhaven wohnt, Frau Boni die neue Adresse nicht hat und die Tochter Julia eine andere Schule besucht. Erna erwiderte darauf: „ Sie möchte gerne, dass ein Urteil gesprochen würde und kein Vergleich, wie bei den vorherigen Verhandlungen, damit Frau Adele Boni sich auch daran hält“. Der Vorsitzende belehrte sie darauf hin, dass ein Urteil erst in Kraft treten würde, wenn eine der beiden Seiten dagegen verstößt. Frau Erna Hundert bestand aber auf ein Urteil und somit wurden die Zeugen hintereinander in den Saal gerufen, um ihre Aussagen zu machen. 
Die Zeugen Klara und Anna gaben zu, dass Adele so etwas nicht direkt zu ihnen gesagt hatte, auch hatten sie nie gesehen, dass Adele die Beiden ausspionieren würde. Sie hörten es auch nur von anderen Leuten. Daraufhin bekamen sie eine Belehrung, dass sie nicht auf Klatsch und Tratsch hören sollten. Danach wurde Peter hereingerufen um seine Aussage zumachen. Auch er sagte nichts Negatives gegen seine Mutter aus, nur dass sein Vater und seine neue Frau immer wieder neue Beschuldigungen hervor bringen, die aber nicht stimmen.  Seine Mutter ist nach solchen Attacken immer mit den Nerven am Boden und er möchte, dass sein Vater und seine Frau ihn und seine Mutter in Ruhe lassen.
Nach diesen Aussagen, die nicht für Emil und Erna sprachen, verkündigte der Richter sein Urteil.
Die Kläger, Ehepaar Hundert, werden zu einer Geldstrafe von € 10000,00 verurteilt, außerdem haben sie sich nicht im Umkreis von 100 Meter in Adeles Umgebung aufzuhalten. Dann schloss er die Verhandlung und die Parteien konnten nun endlich gehen.
Beim Verlassen des Gerichtsgebäudes sah Adele im Vorbeigehen, dass Julia vorhanden war, sie zeigte ihr einen erhobenen Finger.
Am Liebsten hätte sie darauf reagiert, aber sie weiß was sich gehört und ging zusammen mit ihrem Mann und Sohn Richtung Auto.